Allgemeine Information:
Der erste richtige Radreisetag. Nun war es soweit. Das große Aufbrechen von meiner Heimatstadt Richtung noch den mir unbekannten Südwesten Europas. Aber halt. Ab jetzt musste von “Wir” gesprochen werden. Denn ab Jena war ich nicht mehr allein auf meiner Tour. Stefan aus Stralsund war nun auch mit von der Partie. Auch deswegen stellte der zweite Radreisetag der eigentliche Reisebeginn dar. Geplantes Ziel für diesen Tag: Tanna, eine Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis.
Route:
Auch an diesem Tag verlief unsere Route fast die gesamte Zeit entlang der Saale auf dem Saaleradweg. Diesmal aber bot sich nicht immer die Möglichkeit direkt neben der Saale zu fahren aufgrund von steilen Tälern, mehr Bergen, Talsperren und schlecht ausgebauten bzw. nicht vorhandenen Radwegen, sodass der Saaleradweg öfters mal auf die Hochebene hinaufführte oder gänzlich in Nebenstraßen oder teilweise sogar größere Straßen einging. Die Wege waren anfangs gut bis mäßig gut mit dem Reiserad befahrbar, ab Saalfeld jedoch teilweise nicht mehr zumutbar, auch aufgrund der Witterung. So kam es tatsächlich zu fast stürzen auf einer Abfahrt hinunter ins Tal bei sehr grobförmigen Schotter und nicht einsehbaren Schlaglöchern und großen Steinen.



Landschaft:
Ausgerechnet jetzt, wo die Landschaft durch viele Berge und mehr Wald schöner wurde, verdarb der Regen, der Wind und die für den Sommer unangenehme Kälte die sonst schöne Sicht auf die beiden Talsperren und generell die Ausläufer des Thüringer Waldes (Thüringer Schiefergebirge). Trotzdem bildete die facettenreiche Landschaft, eine Kombination aus Flusstälern, DEM Saaletal, viel Wald, hübschen kleinen Städten und viel mehr Bergen, einen großen Kontrast zur Norddeutschen Tiefebene. Einzig und allein die Saale hatten die Landschaften beider Tage gemeinsam.
Sehenwürdigkeiten:
Viel gab es nicht zu sehen. Jedenfalls nichts neues. Da ich gebürtiger Jenenser bin kannte ich schon einige Dinge entlang der Tour. Obwohl auch die vielen Burgen, wie z.B die Leuchtenburg oder die Heidecksburg bei Rudolstadt nur kleinere Attraktionen sind, und die Landschaft so wie der Fluss Saale die eigentliche Sehenswürdigkeit. Für Menschen, welche die Gegend Saaletal überhaupt nicht kennen stellen jedoch die Stadt Jena, Rudolstadt und ein bisschen auch Saalfeld einige Sehenswürdigkeiten bereit. Für mich persönlich jedoch war die Hohenwartetalsperre an diesem Radtag das einzige wirkliche Higlight. Denn diesen künstlichen See hatte ich bisher noch nie gesehen. Der Anblick, der sich bot, als wir kurz vor dem Erreichen der Staumauer waren, blieb trotz Regen in meiner Erinnerung. Sie ist die viert größte Talsperre in Deutschland und hatte dementsprechend auch eine beeindruckend hohe Staumauer. Interessant anzuschaun war auch die Art und Weise, wie sich die aufgestaute Saale durch die vollbewaldeten dicht beisammen stehenden Berge, durchgewunden hat.

Hohenwartetalsperre

Hohenwartestaumauer

Überfahrt Hohenwarte-Stausee
Ablauf:
Pünktlich startete unsere Tour noch unter Sonneneinfluss relativ früh ab meiner wirklichen Heimat, der Talstraße in Jena West. Wieviele kleinere Radetappen hatte ich hier schon in all den Jahren gestartet. Doch diesmal sollten es keine 35 km sondern 100 mal mehr Kilometer werden. Unfassbar! Nach dem provisorischen Abfahrtsfoto fuhren Stefan und Ich mit unseren voll bepackten Radeseln durch die mit Morgenlicht durchflutete Innenstadt:

Kurz vor Abfahrt
In Gedanken war ich schon längst etwas weiter. Denn ich macht mir Sorgen ob wir unser Tagesziel auch wirklich erreichen sollten. Denn eigentlich war geplant, diese Tour in zwei Tagesetappen zu bestreiten. Auf jedenfall die viel vernünftigere Variante. Denn erstens fehlte uns die Kondition für so eine harte Etappe. Und zweitens spielte weder das Landschaftsprofil noch das Wetter und die Witterungsbedingungen in unsere Karten. Ja, wir hatten wirklich mit allen Hürden zu kämpfen: Starker Wind (Der gefühlt IMMER von vorne kam und mich als sehr leichten Menschen viel mehr belastete), ab und zu Regen und eklige Sommer-schlecht-Wetter-Kälte, die einem schnell eine Erkältung bringen kann. Die ersten Kilometer jedoch hatten wir gutes Wetter und die Saale glitzerte wundervoll an den vielen Wehren, die wir oft passierten:

Ein Wehr an der Saale
Ab Kahla wurde es jetzt dauerhaft öfters mal hügelig. Der Radweg verlief nun 500 m bis 2 km abseits der Saale, manchmal aber auch direkt daneben. Sodass es öfter runter zur Saale und dann mal wieder hoch auf die mehr hügelige Landschaft ging. Aber alles im allen noch nicht soo doll bergig. von den Hügeln hatte man eine gute Aussicht auf die Heidecksburg, und so war Zeit, mal das Rad abzustellen.Hier zu sehen Stefans Rad, welches wirklich so aussieht wie das Rad eines Langzeitradreisenden:

Stefans Rad
Nach Saalfeld wurde das Saaletal immer enger und enger und so wurden wir gezwungen das erste mal auf die Hochebene zu fahren. Halt, hab ich fahren gesagt, ok sorry, wir haben natürlich geschoben!!! Und waren trotzdem fix und alle. Und das obwohl wir gerade einmal die Hälfte vom geplanten weg zum Tagesziel Tanna hinter uns hatten, welches 125 km von Jena entfernt lag. Auf der Hochebene gab es sehr häufig eine Szene wie diese: Viel Wiese, etwas Wald und sich ankündigender Regen. Die tollen Kühe gab es aber nur einmal zu sehen:

Kühe und schlechtes Wetter
Wir fuhren und fuhren und fuhren. Kamen jedoch nicht an. Wir hatten die Tour wirklich unterschätzt. Nicht nur das unser Essen zu neige ging. zu Trinken hatten wir auch nicht mehr viel und es wurde schon langsam etwas dämmrich. Zu oft mussten wir teilweise sehr unbefestigte Wege 100 m hoch schieben, oder Straßen 150 m hochfahren oder aber anhalten weil es zu stark regnete. zu Allem Überfluss verfuhren wir uns fast und mussten immer mal wieder anhalten um zu schauen ob wir richtig lagen. Würden wir es wirklich nach Spanien schaffen. Im regen stehend, ahnungslos auf die Karte blickend, etwas frierend durchnässt und sehr müde, mitten im Thüringer Nichts, kam mir dieses hochgesteckte Ziel wie eine nie zu erreichende Utopie vor, ein Traum der sich nur in Gedanken umsetzen lässt. Schließlich erreichten wir unter unzumutbaren Umständen Schloss Burgk. Und wir erreichten es überhaupt, weil ein netter Mensch in einem Dorf etwas von seinem Bier uns abgab. Denn sonst hätte ich glaub ich das Zelt aufgestellt und Gute Nacht gesagt! Doch trotzdem verhalf uns dieser winzig kleine Energieschub natürlich nicht zu einem Rad Happy End. Nein. Bei Schloss Burgk über der Bleilochtalsperre war Schluss. Wo gings lang? keine Ahnung. Wie spät ist es? Sehr Spät! Ich bin Müde, du auch? Ja! Was blieb also sonst übrig, als den Papa anzurufen, mal kurz mit’n Kombi rüberzufahren und uns abzuholen. In den letzen Minuten des Endes unserer Tagesetappe hatte ich nur noch Steak und ein warmes Bett im Kopf. Die Lust zum weiterfahren sank auf minus 0 Prozent. So kamen mein Vater und mein Bruder dann mit dem Kombi, luden die Fahrräder auf und die Etappe war plötzlich vorbei, ich konnte es kaum glauben. Schon nach einem Tag stellte für mich das Grillen und das Schlafen in einem weichen Bett purer Luxus dar. Geschummelt hatten wir ja nur bedingt. Denn dort wo wir unsere Etappe aufhörten, fuhren wir am nächsten Tag weiter. Denn Tanna lag ca. 12 km abseits von der Saale, und wir mussten ja weiter an der Saale entlang, bis zur Quelle. Wäre mein Vater nicht zu dieser Zeit in Tanna gewesen, so hätten wir wahrscheinlich am Schloss Burgk in der Nähe gewildzeltet und wären am nächsten Tag von dort weitergefahren.
Km: 111,7
Fahrzeit: 7h 20 min
GesamtKM: 223
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